
Mahler für Lear - Der einzige Komponist aus dem Bereich der Neuen Musik, der im Vergleich zu seinen Konzertwerken nahezu ebenbürtige Filmmusik verfasst hat, ist Toru Takemitsu - zumal er immer wieder in diesem Metier tätig war und durchaus nicht nur zum Broterwerb (siehe Alfred Schnittke). Er hat Konzepte und Ideen entwickelt, die ohne Beispiel sind und müsste eigentlich Vorbild sein für alle anderen Tonsetzer, die einen Film mit ihren Klängen besser machen wollen, ohne immer das zu repetieren, was Jahrzehnte vorher auch schon gängig war. Ran besteht in der Milan-Version aus zwei Suiten, die beide mit einer Shakuhachi eingeleitet werden und dann übergehen in einen mahlerähnlichen (so die Vorgabe von Kurosawa), langsamen Trauermarsch. In der Vorbereitung zum Film wurde ursprünglich darüber nachgedacht, für die Musik auf menschliche Schreie zurück zu greifen - was dann verworfen wurde. Die zahlreichen Kampfszenen im Film finden keine Entsprechung in kampfeswütiger Soundkulisse, sondern werden mit dieser musikalischen Endzeitlandschaft kontrastiert. Immer wieder greift Takemitsu auf traditionelle Stilmittel zurück, und erstaunlich dabei ist, dass das kein Widerspruch ist zum übrigen Material. Einwenden könnte man, dass sich die zwei Suiten etwas zu sehr ähneln, aber zumindest eine von beiden könnte man für den Konzertsaal programmieren, ohne ästhetische Kompromisse machen zu müssen. Ein wichtiges Werk für einen überschätzten Film.